Bienvenu
Information zu unserem Haus in Esparron finden sie im Block rechts. Hier gibt es Kurzberichte von der Gegend und von Reisen im Süden Frankreichs. Vour trouvez tous les renseignements de notre maison à Esparron à coté. Les petits articles sont de la région et, je m'excuse, la pluspart en allmand. Mais il existe la posssibilité de traduction automatique et oui, je sais. Epouvantable et il faut absolument que google travaille sur ce thème. You find all the necessary information on our home in Esparron on the right side. The little articles are about the region and travels in the south of France. And yes, they are mostly in German. However, there is a machine translation available and yes, I know. Terrible, to be polite. Google really needs to get its act straight here. Agreed. Thank you.

Artikel-Schlagworte: „Politik“

From my cold , dead hand

Waffenbesitz in Amerika und Europa – Ein bisantes Thema.
Charlton Heston verstarb gestern in Hollywood. Er war einer von jenen amerikanischen Schauspielern, die über die unbestreitbaren Erfolge in ihrem Metier  hinaus in der Politik von sich Reden gemacht haben. Schauspieler scheinen in Deutschland häufig als  nur begrenzt zurechnungsfähig zu gelten. Das ist in Amerika anders.

Heston galt in den USA als politisch liberal. Er arbeitete mit Martin Luther King zusammen, half schwarzen Schauspielern in Hollywood, nahm an der Bestreikung von Lokalen teil, die keine Schwarzen als Gäste akzeptierten und führte die Teilnehmer bei Kings Protestmarsch 1963 an, der zur rechtlichen Verankerung von Bürgerrechten 1964 führte. Stets ergriff Heston für Gleichberechtigung und gegen Rassismus das Wort. Nach der Ermordung Martin Luther Kings forderte er restriktive Waffengesetze. Später wandelte sich Heston von einem liberalen Demokraten zu einem konservativen Republikaner und setzte sich für das uneingeschränkte Recht auf Waffenbesitz ein, wie es im 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten festgelegt ist. (Wikipedia)

Charlton Heston war in den letzten Jahren Präsident der NRA – National Rifle Association, die mit Argusaugen darüber wacht, dass die zweite Verfassungsänderung – the second amendment von 1791 – das den privaten Waffenbesitz erlaubt, nicht angetastet wird.

Es gibt wenige Bereiche, in denen sich Amerikaner und Deutsche so fundamental unterscheiden. Für den in der Mehrheit der deutschen  Gesellschaft  vorherrschenden Konsens, den privaten Waffenbesitz möglichst schwer zu machen, würde es in keiner Mittelstandsgemeinde der USA eine Mehrheit geben.

In ländlichen Gemeinden ist das relativ leicht nachzuvollziehen. Wer mal in der kalifornischen Sierra mitten im Wald weitab von einer Stadt eine Zeitlang zugebracht hat, will ohne Waffe nicht sein. Viel zu gefährlich.  In Frankreich sind Waffen auch wesentlich weiter verbreitet als in Deutschland. Seit der Revolution gehört die Jagd zu den erjämpften Rechten der Bürger und niemand wird wagen, daran zu rühren. Andererseits ist der allzu leichte Waffenbesitz in vielen Staaten der USA sicher ein Grund für die hohe Zahl an Kapitalverbrechen.

Der wesentliche Mentalitätsunterschied besteht aber wohl im generellen Misstrauen, dass die Amerikaner ihrem Staat, der Regierung und den Staatsorganen entgegen bringen. In der amerikanischen Literatur, in Filmen und Fernsehspielen ist der Übergriff des Staates viel präsenter als in Deutschland. Big government ist für fast alle Amerikaner ein rotes Tuch.

Der Staat als Gesetztesbrecher, der korrupte Sheriff, der verbrecherische Staatsanwalt, das subversive FBI, die betrügerische CIA, die verschleiernde Behörde, all das sind in den USA immer gegenwärtige Themen, viel stärker als in Deutschland, obwohl es neben den Russen wohl kein Volk in Europa gibt, das von seinem Staat mehr betrogen wurde.

Zu bedenken ist, dass in Amerika die Bürgergesellschaft lange da war, bevor der Staat anrückte und Steuern verlangte. Die Amerikaner waren es gewohnt, ihre Geschicke selbst zu regeln und nicht auf den Staat zu warten. Dieses Gefühl ist immer noch viel lebendiger als in Europa. Europäer warten in der Regel auf den Staat. Vater Staat, der sich um die Belange der Bürger kümmert ist eine sehr europäische Kategorie. In Frankreich ist es eher noch schlimmer. 75% der Jugendlichen streben nach Umfragen in den Staatsdienst.
  Es wäre nie zum Holocaust gekommen, wenn die deutschen Juden bewaffnet gewesen wären und sich gegen den unter die Verbrecher gefallenen Staat hätten wehren können. In den USA ist das eine weit verbreitete Ansicht. Ist das abwegig? Ist es falsch darauf hinzuweisen, dass das Gewaltmonopol des Staates keine Einbahnstraße ist? Deshalb ist es so wichtig, dass unsere Polizei optimal ausgerüstet ist und über das notwendige Personal verfügt, um das Gewaltmonopol zum Schutz der Bürger auch ausüben zu können. Entfällt diese Fähigkeit, wird der Bürger nach Wegen suchen, sich selbst zu schützen. Zunächst durch private Wachdienste und dann durch Bewaffnung. Wer die Ausrüstung der Polizei vernachlässigt, spielt mit dem Feuer. Wird das überall verstanden?

Als Charlton Heston vom Vorsitz der NRA wegen seiner Alzheimer Erkrankung zurücktrat, sagte er: You can have my gun when you can pry it loose from my cold, dead hand. – Sie können meine Waffe bekommen, wenn Sie sie aus meiner kalten, toten Hand lösen können. Charlton Heston starb gestern im Alter von 85 Jahren.

Die Rückkehr der Lämmer

Was haben Lämmer aus Sisteron, Bier aus Bayern, Microsoft Windows und Champagner gemeinsam? Sie alle könnten große Marken sein, aber nicht für alle wird gleichermaßen gut gesorgt.

Ostern kennzeichnet traditionell die Rückkehr der Lämmer auf die französische Speisetafel.
Betroffen sind speziell die provenzalischen Lämmer aus der Region um die Stadt Sisteron, die als nördliches Tor der Provence gilt. Von Esparron fährt man etwa 90 Minuten über Mansosque und dann die A51 Richtung Norden.

Noch sind die Lämmer nicht AOC gekennzeichnet, der kontrollierten Aufzucht bestimmter Gebiete – Appellation Controlée d’Origine - sondern profitieren in der Hauptsache von der Klassifizierung IGP und dem Label Rouge.

IGP bedeutet L’Indication Geographique Protegée – Bezeichnung einer geschützten Region. Um dieses Zeichen zu tragen, müssen die Lämmer in der Region PACA (Provence-Alpes-Côte d’Azur) geboren, aufgezogen und geschlachtet werden.
Dem Schinkentourismus, der in Deutschland anlässlich eines Fleischskandals ans Tageslicht kam, wird dadurch ein Ende bereitet. Hierzulande ist es ja so, dass Schweine in Niedersachsen geboren und etwa 8 Wochen großgezogen werden, in Süddeutschland weiter gemästet und dann nach Italien transportiert werden, um anschließend als Paramaschinken mit geeister Melone auf unseren Tellern zu landen. Dasselbe gibt es – natürlich Länder übergreifend – in der ganzen Europäischen Union.

Das Label Rouge geht noch einen Schritt weiter. Hierzu muss der Erzeuger sich zertifizieren lassen, bestimmte Standards hinsichtlich der Stallgröße, medizinischer Betreuung, Fütterung etc. erfüllen, um seine Lämmer auszeichnen zu können. Die Lämmer von Sisteron speisen sic quasi aus drei Quellen, um einmal einen etwas abgelegenen Vergleich zu bemühen. Da sind die Mérinos aus Arles (auch bekannt für ihre feine Wolle), die Préalpes du Sud und die Morérous. Letztere werden in der Hauptsache zu Aufzucht verwendet. Sie geben vor allem eine hervorragen Milch, die für die Schafskäse der Region unverzichtbar sind.

Der Erfolg des ganzen Aufwands ist, dass es ein gravierendes Versorgungsproblem gibt, d.h. Der die Nachfrage ist so groß, dass die Produktion nicht Schritt hält. Geographische Herkunft kann heute ein bedeutender Wettbewerbsvorteil sein, wenn sie kontrolliert und entsprechend vermarktet wird.

Wie es die Bayern z.B. haben zugelassen können, dass sich eine holländische Brauerei namens Bavaria der Bierproduktion widmet und sich mit Starkbieren bis zu 18% einen Namen gemacht hat, ist ein unverzeihliches Versäumnis.

Die Brauerei wirbt sogar mit den blau weißen Rauen aus Bayern und gibt sich so bajuwarisch wie eine Lederhose.
Man möchte den holländischen Nachbarn ihr Bier ja nicht madig machen, aber bayrisches Bier sollte doch aus Bayern kommen und nicht aus Amsterdam und ja doch, Pilsener kommt aus Pilsen und nicht aus Dortmund oder Milwaukee.
 

Die mangelhafte Besinnung auf regionale Stärken ist ein großes Versäumnis der deutschen Landwirte und Lebensmittelproduzenten. Bis heute gibt es kein eingeführtes Label für das deutsche Reinheitsgebot beim Bier, und das gilt für viele landwirtschaftliche Produkte aus deutschen Landen, die sich viel zu lange an eine zentrale Vermarktung durch die CMA gebunden haben, und ihre regionalen Besonderheiten nicht ausreichend gepflegt haben. Spätzle aus Niedersachsen, Limburger aus München, Harzer Roller aus Kiel sind nichts Ungewöhnliches. Beim Kölsch ist man dann endlich aufgewacht, allerdings erst, als die verhassten Nachbarn aus Düsseldorf das Sakrileg begangen, Kölsch zu brauen, anstatt ihre braune Brause zu pflegen, womit sie eigentlich genug zu tun gehabt hätten.

Ein besonders dunkler Punkt ist natürlich, dass sich die Amerikaner herausnehmen, ihre Schaumweine Champagner zu nennen. In Europa ist das aus gutem Grund den Weinen aus der Champagne vorbehalten, wobei allerdings die zur Champagnerproduktion eingesetzten Ursprungsweine aus Irgendwo kommen können.

In den USA hat das allerdings nichts mit böswilliger Verletzung von Urheberrechten zu tun, sondern mit einer Eigenart der amerikanischen Gesetzgebung.

Danach verliert ein Produktbegriff seinen Schutz dann, wenn er zum Gattungsbegriff geworden ist. Wenn also Papiertaschentücher Tempos genannt werden, ist Tempo als Marke nicht mehr schutzfähig. Das gilt für Scotch (als Klebeband oder Getränk),
Auch Windows von Microsoft würde seinen Schutz sofort verlieren, wenn die Firma nicht immer vermerken würde, dass der Begriff geschützt ist, auf jedem Produkt, in jeder Anzeige, einfach überall wo er auftaucht.

Der Schlachthof von Sisteron hat im letzten Jahr übrigens 60.089 Lämmer verarbeitet, davon 34.036 mit dem roten Label. Die Lämmer müssen dazu auch ein bestimmtes Gewicht zwischen 13 und 19k kg haben und ohne Fehler sein. Da Fleisch hat eine klare rote Färbung und ist stark marmoriert und natürlich etwas teurer als die Lämmer aus Massentierhaltung.

Es hat mich immer wieder erstaunt, wie wichtig den Franzosen die Qualität ihrer Nahrung ist. Man findet in den Kühlregalen der Grands Surfaces (große Supermärkte) wie in Deutschland auch z.B. billige Hähnchen aus Käfighaltung, aber doch in einem verschwindend geringen Ausmaß. Überwiegend werden die weitaus teureren Produkte aus der Bresse oder anderen Gebieten angeboten. Das ist bei uns ganz anders.

Den Franzosen gilt Deutschland wegen seiner extremen Preisfixierung auch als ideales Aufnahmeland für minderwertige Überproduktion. Was man selbst nicht auf dem Tisch haben möchte, tritt die Reise über den Rhein an. Ein zweifelhafter Ruf, der Bauern, die für den Markt produzieren müssen in große Bedrängnis bringt, was ihre Qualitätsstandards angeht.
 

Le mystère reste entier

Das Geheimnis bleibt bestehen und die Euthanasiedebatte ist eröffnet, TF3 bringt um 23:30 eine Diskussion, aber noch steht die Frage im Vordergrund, wie Chantal Sébrine ums Leben kam. Sie wurde von ihrer Tochter gefunden, aber es gibt keine Anzeichen für ein äußeres Einwirken. Die Polizei sucht nach Spuren, der Staatsanwalt erwägt eine Autopsie.
Selbstmord oder Freitod? Beide Begriffe existieren nebeneinander, aber schon in der Wortwahl scheinen die Weichen gestellt zu werden.

Es gebe, so die auf Palliativpsychologie spezialisierte Marie de Hennezel, kein Recht auf Selbstmord. Es sei eine persönliche Freiheit, die rechtlich weder vorgeschrieben noch ermöglicht werden könne noch gar solle.

Sie befürchte im Falle der Freigabe eine epidemische Welle von Selbsttötungsfällen. Speziell unter vorübergehenden Depressionen leidende Menschen würden dies mit ihrem Leben bezahlen müssen. Jeder, der einmal mit Depressionen zu tun gehabt hat – und das sind im Laufe ihres Lebens immerhin etwa 30% der Bevölkerung -, weiß, um was es hier geht. Sie rate, die bestehenden Gesetzte, die auch eine Begleitung mit Schmerzmitteln bis zum Tod ermöglichen würden, konsequent anzuwenden. Dies geschehe viel zu wenig.
Monseigneur Gaillot, Vertreter der katholischen Kirche und Erzbischof der für ihre Unabhängigkeit bekannten virtuellen Diozöse Partenia (wo haben die den denn her und was mag das für eine Diozöse sein?) sagte, es gehe nicht um Gesetze und Verbote. Dem Einzelfall könne man so nicht begegnen. Zwar verbiete die katholische Kirche den Selbstmord ausdrücklich und ohne Ausnahme, dem Einzelfall  Sébrine komme man mit dem Verbot aber auch nicht näher. Auf jeden Fall sei es falsch, diejenigen mit Schuld zu beladen (culpabiliser), die beim Sterben helfen.
Jean Léonetti, der als Deputierter des Parlaments das Euthanasiegesetz Loi Léonetti formuliert hat, wendet ein, dass Mme Sébrine ihre Schmerzen ja habe lindern können, davon aber keinen Gebrauch gemacht habe, weil sie Schmerzmittel abgelehnt habe.
Verschiedene Abgeordnete werden von La Provence befragt und damit wird die Diskussion in die politische Arena getragen. Konservative der UPM sind strikt gegen eine Gesetzesänderung, während Teile der Linken eher für eine Lockerung der Euthanasieparagraphen sind. Die Lage ist verwirrend.
Kann sich die Gesetzgebung am Einzelfall orientieren?
 

Chantal Sébire est morte

Doch, es war ein Schock, als ich heute morgen zu Pascal in seinen kleinen Tabakladen kam, um das hier einzig verfügbare Blatt La Provence abzuholen und gleichzeitig das gestern geliehene zu bezahlen.
Das Gesicht von Chantal Sébire ist grotesk entstellt und im ersten Augenblick hat es mir die Sprache verschlagen. Darf man ein solches Foto auf der Titelseite bringen? Die Aufmerksamkeit ist in Frankreich jedenfalls enorm. Google verzeichnet heute etwa 201.000 Eintragungen von Australien bis Alaska.
Als man sie am Montag tot in ihrer Wohnung fand, war sie 52 Jahre alt. Lehrerin von Beruf, Mutter dreier Kinder litt sie seit etwa 5 Jahren an einem unheilbaren Tumor, der ihr Gesicht zu einer Fratze entstellt hatte.
Das große Appellationsgericht von Dijon, das Tribunal de grande instance, hatte ihr etwa eine Woche zuvor den Freitod aufgrund der Gesetzeslage verweigern müssen. Même si la dégradation physique de Mme Sébire mérite la compassion, le juge en l’état de la législation française ne peut que rejeter sa demande, souligne le magistrat. Wenn auch die physische Entstellung von Mme Sébire unser Mitgefühl hat, kann das Gericht ihren Antrag nur ablehnen.
Das Justizministerium ist mit der Angelegenheit befasst und der Arzt, der sie in den letzten Jahren behandelt hat, weilt zur Zeit ihres vermuteten Freitods beim Präsidenten, um ihm und einigen Beratern die Situation zu schildern.
Chantal Sébire aus Plombières-les-Dijon (Côte-d’Or) wird von der Association pour le droit de mourir dans la dignité (ADMD) – der Gesellschaft für das Recht auf einen würdevollen Tod, seit einiger Zeit begleitet.
Was zu ihrem Tod führte ist ungeklärt und wird von der Justiz untersucht. So hat es der Innenminister angekündigt, höchste Stellen des Staates sind mit dem Fall betraut. Ist die Ursache ihres Todes auch ungeklärt, so liegt der Grund doch offen zu Tage.
Der Arzt, so hat das Gericht die Gesetzeslage zusammengefasst, hat nicht das Recht, den Tod einzuleiten. Dem Selbstverständnis der meisten Ärzte dürfte das sehr nahe kommen. Aus gutem Grund scheuen sie solche Entscheidungssituationen, die sie in Gegensatz zu ihrem hippokratischen Eid bringen.
Mme Sébire hatte vor Gericht Anfang März ausgeführt, dass sie unter dauernden Schmerzen leide, dass ihre Krankheit unheilbar sei und ihre Entstellung jegliches normale Leben ausschließe. Sie hatte beantragt, einen ihrer Ärzte zu autorisieren, sie mit einem Medikament zu versorgen, dass ihr den Tod in Würde zu einem von ihr bestimmten Zeitpunkt ermöglichen sollte.
Wenn ihr nicht geholfen werden könne, werde sie nach Belgien, Holland oder die Schweiz gehen, wo die Euthanasie nicht mehr unter Strafe stehe.
In Deutschland tun wir uns mit diesem Thema schon aufgrund der verheerenden Vorkommisse in den 30er und 40er Jahren sehr schwer. Damals begann man menschliches Leben in lebens- und lebensunwert einzuteilen. Von skrupellosen Politikern mit Rassenparanoia erdacht und von willigen Ärzten buchstäblich exekutiert. Aber die Diskussion ist auch bei uns eröffnet. Zu einem abgewogenen Urteil zu kommen fällt leicht, solange man im idealen Bereich absoluter Werte bleibt.
Die Sphäre idealer Werte wird zwar von Theologen und Juristen, von Weltverbesserern und Idealisten gestaltet, ist aber ansonsten unbewohnt, jedenfalls nicht von Menschen aus Fleisch und Blut. Dennoch halten sich die Diskutanten in dieser Sphäre zu Diskussionszwecken bevorzugt auf.
Auch das Gericht, dem aus juristischer Sicht wohl kein Vorwurf zu machen ist – hatte es doch lediglich zu überprüfen, ob der Antrag nach den vorliegenden Gesetzen statthaft war – beschäftigte sich eben nicht mit dem in Not befindlichen Menschen, sondern mit den Regeln, die diesem Menschen vorgesetzt waren. All das spielt sich weitab vom wirklichen Leben ab und der Hinweis des Gerichts auf den Zustand von Mme Sébrine und das Mitgefühl, das sie verdiene – elle mérite la compassion – weist darauf hin, dass man sich dessen hilflos bewusst war. Kann man einem Menschen derart weit weg vom wirklichen Leben, das sich im Gesicht von Mme Sébrine spiegelt, auch nur ansatzweise gerecht werden?
Der Fall Chantal Sébire macht es uns schwer, denn er zeigt, wie mühsam dem Einzelfall beizukommen ist.