Artikel-Schlagworte: „Lebensart“
Chantier Mobile – Wanderbaustelle in Artignosc
Ich hatte einige Tage Gelegenheit diese chantier mobile - Wanderbaustelle am See von Artignosc zu beobachten. Pünktlich zur Mittagszeit schlugen sie ihr Zelt am Ufer auf, entluden ihre Kühlboxen und machten genauso pünktlich Schluss, um sich wieder an die Arbeit zu begeben.
Die Mittagspause von etwa 90 Minuten ist in der Provence wichtig und Teil der hiesigen Lebensqualität, dem savoir vivre. Niemand
Occitane 3

Die Frage ist natürlich, was Occitane verkauft. Oberflächlich sind es Wässerchen, wohlriechend und Gutes bewirkend. Aber das bekommt man natürlich auch mit Kernseife.
text folgt
Occitane 2 – Markenmarketing à la provencale

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David was in America
Aber warum hat er so unglaublich zugelegt? warum sind Südfranzosen deutlich schlanker als Belgier, Amerikaner und Deutsche? Essen die weniger, anders oder wie?

Ein Amerikaner erzählte mir vor einigen Tagen, er sei wild entschlossen sein Gewicht südfranzösischen Maßen anzupassen und habe deshalb vollständig auf zuckerlose Getränke umgestellt. Jetzt trinkt der Arme 5 Flaschen zu 1,5 Liter Diet Coke, Cola Light oder Zero und wundert sich, dass er nachts nicht schlafen kann.
Im Ernst, was machen Südfranzosen anders?
Occitane I
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Ein Werksbesuch im Urlaub? Darauf muss man kommen und eigentlich wollte ich das Ganze unter dem Motto Vergessen sie nicht, auf den Werksbesuch bei Occitane zu verzichten laufen lassen, aber ich bin doch angenehm überrascht worden.
Occitane gehört zu den trendigen Duftmischern, die im Kielwasser von Body Shop auf einer schönen Erfolgswelle schwimmen. Unten rechts ist die Eröffnung eines eigenen Shops in Tokyo zu sehen. Wer den Markenfetischismus der Asiaten kennt, wird über die lange Schlange bei der Eröffnung nicht erstaunt sein. Ursprünglich um die Ecke in Volx gegründet, findet man die Firma im
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Was lesen wir? – Zeitungen – Journaux
Vorab ein Zitat von einer Deutschlandseite für Frankreich-Urlauber:
Kein anderes Land der Erde, nicht einmal die USA, nehmen in der französischen Presse soviel Platz und Themen ein, wie der Nachbar Deutschland. Jede namhafte französische Tages- oder Wochenzeitung leistet sich „Deutschlandexperten“. In Deutschland, besonders in Berlin, tummeln sich mehr als 200 französische freie und feste Presse- und TV-Mitarbeiter. Besonders auf den Seiten „Politik“, „Wirtschaft“ und „Europa“ vergeht kein Tag, an dem die französische Presse nicht über Ereignisse in Deutschland oder über deutsch-französische und europäische Zusammenhänge berichtet.
Dies will bedacht sein. Ja, doch.
Esparron liegt genau auf der Grenze der Departements 04 (das ist Esparron und angrenzende Gebiete um Digne) und 13 (das ist Esparron und angrenzende Gebiete um Marseille, Nizza und Aix) und ich komme gerade von einer fünf-wöchigen Reise durch diese Heimatdepartements zurück. Da ich zwanghafter Zeitungsleser bin (kein Frühstück ohne Zeitung – auch wenn sie von gestern ist), kann ich auch unterwegs nicht darauf verzichten und lese also die jeweiligen Marktführer. In diesem Fall waren es La Provence, Nice-Matin, La Marseillaise und andere. In den fünf Wochen kam Deutschland nicht ein einziges Mal vor.
Was für ein glückliches Land, von dem man nichts hört. Das war ja nicht immer so und wir vermerken das dankbar.
In Esparron lesen wir jedenfalls La Provence und zwar in der Ausführung Alpes. Vorsicht, die Marseiller Ausführung erscheint ohne Zusatz. Die Ausgaben unterscheiden sich durch die Regionalteile, die die eigentliche Zeitung ausmachen. Für das Wetter, Frankreich und die Welt gibt es jeweils eine Seite und uns kommt das nicht zuviel vor.
Monsieur Perrin (links) im Tabac des Dorfes führt auch deutsche Zeitungen, die meist mit einem Tag Verspätung eintreffen. Besonders hat es ihm das Bild-Mädchen auf dem unteren Teil der ersten Seite angetan, deren Brüste fester Bestandteil der Bildzeitungskultur sind. Im Redaktionsjargon sollen sie übrigens Brandblasen heissen, ist das abwegig?
Monsieur ist inzwischen Experte und bedauert, dass die französischen Zeitungen nichts dergleichen aufweisen können.
- Ihr habt ja Carla.
Ich meine das gar nicht herablassend.
- Und wir haben Angela, irgendwie muss ja ein Ausgleich geschaffen werden.
- Da haben sie auch wieder Recht.
- Außerdem habt ihr einen viel umfangreicheren Kleinanzeigenteil mit eindeutig eindeutigen Annoncen. Da können wir nicht mithalten.
- Mais oui. Aber La Bild Saitung…c’est mieux quand-même.
Zu bedenken ist auch, was mir ein aktiver Zeitungsmacher sagte. Es gebe für ihn im Urlaub nichts Schöneres, als ganz ohne Nachrichten, Zeitung, Fernsehen etc. zu sein. Er merke erst dann, wie schön diese Welt doch sein könne. Recht hat er.
- Was lesen wir also?
- Genau.
Eine letzte Warnung – Un dernier avertissement
Vous êtes actuellement en infraction. Ce papillon constitue un premier et dernier avertissement – Sie verletzen die Verkehrsregelung. Dieser Zettel bedeutet eine erste und letzte Warnung.
Ich habe den Zettel mit dieser kostenlosen Verwarnung, den mir die Polizei vor einiger Zeit in Manosque unter die Scheibenwischer klemmte, sorgfältig aufbewahrt und später in einem kleinen Bild verarbeitet, das den Text zum Titel hat. Un premier et dernier avertissement heißt es , eine erste und letzte Warnung.
Das Bild hängt mir am Schreibtisch gegenüber und erinnert mich stumm daran, das die Südfranzosen vielleicht doch die Erfinder der Höflichkeit sein könnten, wie es ja auch bei Asterix so treffend beschrieben wird.
Weit weniger höflich und eher kurz angebunden wird allerdings hier mit den Elstern verfahren, die kurzerhand als erste und letzte Warnung an den Füßen in die Bäume gehängt wurden. Die Familie aus Hammelburg, die auf einer Wanderung um Esparron auf diesen Fund stieß und mir das Foto schickte, war jedenfalls von der Maßnahme schwer beeindruckt, wenn auch nicht völlig überzeugt, dass hierdurch die Vögel von ihrem frevelhaften Tun abgeschreckt würden.
Andererseits ist es natürlich schade um die schönen Vögel, oder sind Elstern nicht essbar? Die Vögel, die man manchmal in Italien auf dem Markt kaufen kann, sehen jedenfalls anders aus.
Zuwachs
Nun ist schon wieder eine Arbeitswoche seit unserem schönen Provenceaufenthalt vergangen und ich wollte mich auf jeden Fall noch bei Ihnen melden und kurz berichten.
Das Wetter war diesmal recht durchwachsen und heftige Gewitterschauer fegten über das Land.
In der zweiten Wochen, montags, waren wir auf dem Markt in Forcalquier und als wir zurück kamen war im ganzen Haus kein Strom mehr. Trotz Überprüfung aller Sicherungen im Haus und in der Waschküche ging nichts mehr. Zum Glück waren die Nachbarn Perrin wieder da und wussten Rat. Der Sicherungskasten an der Einfahrt bot die gewünschte Abhilfe.
Auf der Rückfahrt haben wir dann auf einem Parkplatz nach Grenoble noch eine ausgesetzte Labradorhündin gefunden. Ca. 10 Wochen alt war Diesen Beitrag weiterlesen »
POIs in Esparron
Esparron ist ein auch im Winter intaktes Dorf von etwa 350 Einwohnern. Im Sommer dürfte sich die Zahl etwa verachtfachen, wenn alle Campingplätze geöffnet und alle residences secondaires bewohnt sind.
In der folgenden Liste sind die Etablissements aufgeführt, die man besichtigen kann. Auf jeden Fall lohnt sich das kleine Heimatkundemuseum. Genauso lohnend ist ein kleiner Rundgang durch das Dorf. Diesen Beitrag weiterlesen »
Märkte
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Hier ist eine Liste der in der Nähe stattfindenden Märkte. Für aktuelle Veränderungen, Handwerkermärkte (Marché artisanal) und andere Spezialitäten liegen im Office de Tourisme auf dem Weg zum Hafen Handzettel aus. Empfehlungen: Sonntag: Vinon Samstag: Riez
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Der 2008er Kalender in Esparron
En Mars
23 MARS 2008
Soirée spectacle dans la salle polyvalente par le restaurant la \”Fourchette\”
24 MARS 2008
TEL: 04 92 77 15 97
29 MARS 2008
Messe à 18h15 à l’intention de Mr Edmond RUS
Soirée dansante carnaval pour petits et grands à 21h dans la salle polyvalente (foyer rural)
En Avril
5 AVRIL 2008
12 AVRIL 2008
19 AVRIL 2008
20 AVRIL 2008
26 AVRIL 2008
En Mai
1er MAI 2008
3 MAI 2008
10 et 11 MAI 2008
11 MAI 2008
16 MAI 2008
17 MAI 2008
24 et 25 MAI 2008
25 MAI 2008
En Juin
1er JUIN 2008
8 JUIN 2008
14 et 15 JUIN 2008
14 JUIN 2008
Danses, Chansons, Sketch… par les Esparronnais et Albiscéens
28 JUIN 2008
En Juillet
Du 1er JUILLET au 31 AOUT 2008
5 JUILLET 2008
Du 5 JUILLET au 12 JUILLET 2008
Du 7 JUILLET au 13 JUILLET 2008
12 JUILLET 2008
14 JUILLET 2008
19 JUILLET 2008
Bal sono sur le parvis salle polyvalente à 22h (comité des fêtes)
20 JUILLET 2008
26 JUILLET 2008
27 JUILLET 2008
28 juillet 2007
29 juillet 2007
Tous les Vendredis de Juillet et Août
En Août
3 aout
3 AOUT 2008
4 août 2007
Concours de Jazz avec Malcolm Potter, en soirée dans la salle polyvalente (Esparron musique)
5 août 2007
Du 5 AOUT au 10 AOUT 2008
9 AOUT 2008
Du 13 août au 21 août 2007
14 AOUT 2008
15 AOUT 2008
16 AOUT 2008
23 AOUT 2008
24 AOUT 2008
25 août 2007
En Septembre
1er septembre 2007
2 septembre 2007
9 septembre 2007
22 septembre 2007
29 septembre 2007
30 septembre 2007
En Octobre
6 octobre 2007
20 octobre 2007
En Novembre
4 novembre 2007
Brocante, Vide greniers et Vide poussettes sur les parkings devant les commerces (office de tourisme)
En Décembre
15 décembre 2007
Marché de Noël
Feu d’Artifice sur le lac
Kultur – Ausgangspunkt
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Kurzfassung
Kultur im Süden spielt sich auf den regionalen Festivals, Konzerten etc. ab.
Das ändert sich von Woche zu Woche und ist an besten den Plakaten zu entnehmen. Und natürlich den kleinen bunten Zetteln, die sie einem auf den Parkplätzen anheften.
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Prähistorisches Museum
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Bücherei
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Das Garagentor
Peter Mayle beschreibt in seinem Roman Hotel Pastis im Zusammenhang mit einer Hausrenovierung einen nicht ganz alltäglichen Vorgang. Ein älteres Haus in der Provence wird renoviert und dabei zu einem Hotel umgebaut. Dabei kommt es offensichtlich darauf an, dem Haus ein Aussehen zu geben, das von der Renovierung möglichst wenig ahnen läßt. Der Engländer, dem Alt-Ehrwürdigen mehr zugetan als als andere Landsmannschaften, macht so etwas. Sie haben praktisch die Provence neu erfunden, sagte mir einmal unser Dachdecker. Mit einem sicheren Gespür für alte Formen haben sie die Provence zu neuem Leben erweckt und den Franzosen gezeigt, wie es geht. Im Luberon kann man das sehen.
In der Geschichte sollen jedenfalls am Schluss Fassadenmalereien einen antiken Touch bewirken. Es werden Spezialisten herangeholt, die diese Arbeiten durchführen. Aus England.
Die Geschichte erinnerte mich an ein wenig an das, was ich vor ein paar Jahren in Iowa hörte. Südlich von Des Moines wurde ein Film gedreht. Es gibt dort eine ganz Reihe von überdachten Brücken, die etwas ganz besonderes sind. Der Film handelte von einem Fotografen, der die Brücken fotografieren wollte und seiner Romanze mit der Frau eines Farmers in den Fünfziger Jahren.
Clint Eastwood spielt in The bridges of Madison County die Rolle des Fotografen. Unsere Gastgeberin Marilyn erzähklte uns einmal, dass die Gemeinde die Hauptbrücke für den Film extra neu habe streichen lassen.
Dann sei ein Team mit Handwerkern aus Hollywoog gekommen, habe die Brücke für vier Wochen mit Planen abgedeckt, und als man die Planen abgenommen habe, hätte die Brücke so ausgesehen, als ob ein neuer Anstrich wirklich mal überfällig gewesen wäre, so verwittert habe sie dagestanden. Praktisch also wie vor dem Anstrich durch die Gemeinde.
Und damit komme ich endlich auf mein Garagentor. Ich sage extra mein Garagentor, denn es wird jetzt persönlich und Ulla wollte mit dem Tor nichts zu tun haben.
Als das Tor neu war, hatte es einen Klarlackanstrich. Wir waren uns einig, dass das nicht so richtig in die Landschaft passt, also wurde es in der Farbe der Fensterläden gestrichen. Das wiederum passte mir nicht so recht. Es sieht einfach zu neu aus, dachte ich. Da musst du was dran machen, dachte ich. Und fing an mich mit künstlicher Alterung zu beschäftigen Und tatsäcklich, Patina lässt sich herstellen. Es gibt spezielle Tinkturen für Grünspan auf Metall, Alterungstinkturen für Lacke und was das Herz begehrt. Meistens kommt das Zeug tatsächlich aus England, in kleinen Gebinden und maßlos überteuert. Stilvolles Altern im Zeitraffer ist aufwendig.
Ich war recht stolz, als das Tor endlich so aussah, als ob es dringend mal gestrichen werden müsste. Ulla war das gar nicht recht. Das sieht doch nicht aus, was sollen die Leute denken, das sieht angegammelt aus und so weiter und so weiter und so fort und so fort.
Auch Gäste guckten eher skeptisch, wenn ich andeutete, dass das Tor gerade ferig geworden sei. Einer sagte sogar mal, es müsste mal gestrichen werden. Ich hab’ nichts erwidert, aber gedacht habe ich Banausen, Kretins, kein Sinn für Stil.
Auch Ralf und Ulrike habe ich nichts gesagt, als sie kürzlich nach Esparron fuhren, um den Fensteranstrich zu prüfen. Ganz stolz erhielt ich jetzt folgendes Foto.

Ulla hat unanständig laut gelacht. Fast war es wie ein triumphierendes Wiehern klang es. Disgusting.
From my cold , dead hand
Waffenbesitz in Amerika und Europa – Ein bisantes Thema.
Charlton Heston verstarb gestern in Hollywood. Er war einer von jenen amerikanischen Schauspielern, die über die unbestreitbaren Erfolge in ihrem Metier hinaus in der Politik von sich Reden gemacht haben. Schauspieler scheinen in Deutschland häufig als nur begrenzt zurechnungsfähig zu gelten. Das ist in Amerika anders.
Heston galt in den USA als politisch liberal. Er arbeitete mit Martin Luther King zusammen, half schwarzen Schauspielern in Hollywood, nahm an der Bestreikung von Lokalen teil, die keine Schwarzen als Gäste akzeptierten und führte die Teilnehmer bei Kings Protestmarsch 1963 an, der zur rechtlichen Verankerung von Bürgerrechten 1964 führte. Stets ergriff Heston für Gleichberechtigung und gegen Rassismus das Wort. Nach der Ermordung Martin Luther Kings forderte er restriktive Waffengesetze. Später wandelte sich Heston von einem liberalen Demokraten zu einem konservativen Republikaner und setzte sich für das uneingeschränkte Recht auf Waffenbesitz ein, wie es im 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten festgelegt ist. (Wikipedia)
Charlton Heston war in den letzten Jahren Präsident der NRA – National Rifle Association, die mit Argusaugen darüber wacht, dass die zweite Verfassungsänderung – the second amendment von 1791 – das den privaten Waffenbesitz erlaubt, nicht angetastet wird.
Es gibt wenige Bereiche, in denen sich Amerikaner und Deutsche so fundamental unterscheiden. Für den in der Mehrheit der deutschen Gesellschaft vorherrschenden Konsens, den privaten Waffenbesitz möglichst schwer zu machen, würde es in keiner Mittelstandsgemeinde der USA eine Mehrheit geben.
In ländlichen Gemeinden ist das relativ leicht nachzuvollziehen. Wer mal in der kalifornischen Sierra mitten im Wald weitab von einer Stadt eine Zeitlang zugebracht hat, will ohne Waffe nicht sein. Viel zu gefährlich. In Frankreich sind Waffen auch wesentlich weiter verbreitet als in Deutschland. Seit der Revolution gehört die Jagd zu den erjämpften Rechten der Bürger und niemand wird wagen, daran zu rühren. Andererseits ist der allzu leichte Waffenbesitz in vielen Staaten der USA sicher ein Grund für die hohe Zahl an Kapitalverbrechen.
Der wesentliche Mentalitätsunterschied besteht aber wohl im generellen Misstrauen, dass die Amerikaner ihrem Staat, der Regierung und den Staatsorganen entgegen bringen. In der amerikanischen Literatur, in Filmen und Fernsehspielen ist der Übergriff des Staates viel präsenter als in Deutschland. Big government ist für fast alle Amerikaner ein rotes Tuch.
Der Staat als Gesetztesbrecher, der korrupte Sheriff, der verbrecherische Staatsanwalt, das subversive FBI, die betrügerische CIA, die verschleiernde Behörde, all das sind in den USA immer gegenwärtige Themen, viel stärker als in Deutschland, obwohl es neben den Russen wohl kein Volk in Europa gibt, das von seinem Staat mehr betrogen wurde.
Zu bedenken ist, dass in Amerika die Bürgergesellschaft lange da war, bevor der Staat anrückte und Steuern verlangte. Die Amerikaner waren es gewohnt, ihre Geschicke selbst zu regeln und nicht auf den Staat zu warten. Dieses Gefühl ist immer noch viel lebendiger als in Europa. Europäer warten in der Regel auf den Staat. Vater Staat, der sich um die Belange der Bürger kümmert ist eine sehr europäische Kategorie. In Frankreich ist es eher noch schlimmer. 75% der Jugendlichen streben nach Umfragen in den Staatsdienst.
Es wäre nie zum Holocaust gekommen, wenn die deutschen Juden bewaffnet gewesen wären und sich gegen den unter die Verbrecher gefallenen Staat hätten wehren können. In den USA ist das eine weit verbreitete Ansicht. Ist das abwegig? Ist es falsch darauf hinzuweisen, dass das Gewaltmonopol des Staates keine Einbahnstraße ist? Deshalb ist es so wichtig, dass unsere Polizei optimal ausgerüstet ist und über das notwendige Personal verfügt, um das Gewaltmonopol zum Schutz der Bürger auch ausüben zu können. Entfällt diese Fähigkeit, wird der Bürger nach Wegen suchen, sich selbst zu schützen. Zunächst durch private Wachdienste und dann durch Bewaffnung. Wer die Ausrüstung der Polizei vernachlässigt, spielt mit dem Feuer. Wird das überall verstanden?
Als Charlton Heston vom Vorsitz der NRA wegen seiner Alzheimer Erkrankung zurücktrat, sagte er: You can have my gun when you can pry it loose from my cold, dead hand. – Sie können meine Waffe bekommen, wenn Sie sie aus meiner kalten, toten Hand lösen können. Charlton Heston starb gestern im Alter von 85 Jahren.
Die Rückkehr der Lämmer
Was haben Lämmer aus Sisteron, Bier aus Bayern, Microsoft Windows und Champagner gemeinsam? Sie alle könnten große Marken sein, aber nicht für alle wird gleichermaßen gut gesorgt.
Ostern kennzeichnet traditionell die Rückkehr der Lämmer auf die französische Speisetafel.
Betroffen sind speziell die provenzalischen Lämmer aus der Region um die Stadt Sisteron, die als nördliches Tor der Provence gilt. Von Esparron fährt man etwa 90 Minuten über Mansosque und dann die A51 Richtung Norden.
Noch sind die Lämmer nicht AOC gekennzeichnet, der kontrollierten Aufzucht bestimmter Gebiete – Appellation Controlée d’Origine - sondern profitieren in der Hauptsache von der Klassifizierung IGP und dem Label Rouge.
IGP bedeutet L’Indication Geographique Protegée – Bezeichnung einer geschützten Region. Um dieses Zeichen zu tragen, müssen die Lämmer in der Region PACA (Provence-Alpes-Côte d’Azur) geboren, aufgezogen und geschlachtet werden.
Dem Schinkentourismus, der in Deutschland anlässlich eines Fleischskandals ans Tageslicht kam, wird dadurch ein Ende bereitet. Hierzulande ist es ja so, dass Schweine in Niedersachsen geboren und etwa 8 Wochen großgezogen werden, in Süddeutschland weiter gemästet und dann nach Italien transportiert werden, um anschließend als Paramaschinken mit geeister Melone auf unseren Tellern zu landen. Dasselbe gibt es – natürlich Länder übergreifend – in der ganzen Europäischen Union.
Das Label Rouge geht noch einen Schritt weiter. Hierzu muss der Erzeuger sich zertifizieren lassen, bestimmte Standards hinsichtlich der Stallgröße, medizinischer Betreuung, Fütterung etc. erfüllen, um seine Lämmer auszeichnen zu können. Die Lämmer von Sisteron speisen sic quasi aus drei Quellen, um einmal einen etwas abgelegenen Vergleich zu bemühen. Da sind die Mérinos aus Arles (auch bekannt für ihre feine Wolle), die Préalpes du Sud und die Morérous. Letztere werden in der Hauptsache zu Aufzucht verwendet. Sie geben vor allem eine hervorragen Milch, die für die Schafskäse der Region unverzichtbar sind.
Der Erfolg des ganzen Aufwands ist, dass es ein gravierendes Versorgungsproblem gibt, d.h. Der die Nachfrage ist so groß, dass die Produktion nicht Schritt hält. Geographische Herkunft kann heute ein bedeutender Wettbewerbsvorteil sein, wenn sie kontrolliert und entsprechend vermarktet wird.
Wie es die Bayern z.B. haben zugelassen können, dass sich eine holländische Brauerei namens Bavaria der Bierproduktion widmet und sich mit Starkbieren bis zu 18% einen Namen gemacht hat, ist ein unverzeihliches Versäumnis.
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Die Brauerei wirbt sogar mit den blau weißen Rauen aus Bayern und gibt sich so bajuwarisch wie eine Lederhose.
Man möchte den holländischen Nachbarn ihr Bier ja nicht madig machen, aber bayrisches Bier sollte doch aus Bayern kommen und nicht aus Amsterdam und ja doch, Pilsener kommt aus Pilsen und nicht aus Dortmund oder Milwaukee.
Die mangelhafte Besinnung auf regionale Stärken ist ein großes Versäumnis der deutschen Landwirte und Lebensmittelproduzenten. Bis heute gibt es kein eingeführtes Label für das deutsche Reinheitsgebot beim Bier, und das gilt für viele landwirtschaftliche Produkte aus deutschen Landen, die sich viel zu lange an eine zentrale Vermarktung durch die CMA gebunden haben, und ihre regionalen Besonderheiten nicht ausreichend gepflegt haben. Spätzle aus Niedersachsen, Limburger aus München, Harzer Roller aus Kiel sind nichts Ungewöhnliches. Beim Kölsch ist man dann endlich aufgewacht, allerdings erst, als die verhassten Nachbarn aus Düsseldorf das Sakrileg begangen, Kölsch zu brauen, anstatt ihre braune Brause zu pflegen, womit sie eigentlich genug zu tun gehabt hätten.
Ein besonders dunkler Punkt ist natürlich, dass sich die Amerikaner herausnehmen, ihre Schaumweine Champagner zu nennen. In Europa ist das aus gutem Grund den Weinen aus der Champagne vorbehalten, wobei allerdings die zur Champagnerproduktion eingesetzten Ursprungsweine aus Irgendwo kommen können.
In den USA hat das allerdings nichts mit böswilliger Verletzung von Urheberrechten zu tun, sondern mit einer Eigenart der amerikanischen Gesetzgebung.
Danach verliert ein Produktbegriff seinen Schutz dann, wenn er zum Gattungsbegriff geworden ist. Wenn also Papiertaschentücher Tempos genannt werden, ist Tempo als Marke nicht mehr schutzfähig. Das gilt für Scotch (als Klebeband oder Getränk),
Auch Windows von Microsoft würde seinen Schutz sofort verlieren, wenn die Firma nicht immer vermerken würde, dass der Begriff geschützt ist, auf jedem Produkt, in jeder Anzeige, einfach überall wo er auftaucht.
Der Schlachthof von Sisteron hat im letzten Jahr übrigens 60.089 Lämmer verarbeitet, davon 34.036 mit dem roten Label. Die Lämmer müssen dazu auch ein bestimmtes Gewicht zwischen 13 und 19k kg haben und ohne Fehler sein. Da Fleisch hat eine klare rote Färbung und ist stark marmoriert und natürlich etwas teurer als die Lämmer aus Massentierhaltung.
Es hat mich immer wieder erstaunt, wie wichtig den Franzosen die Qualität ihrer Nahrung ist. Man findet in den Kühlregalen der Grands Surfaces (große Supermärkte) wie in Deutschland auch z.B. billige Hähnchen aus Käfighaltung, aber doch in einem verschwindend geringen Ausmaß. Überwiegend werden die weitaus teureren Produkte aus der Bresse oder anderen Gebieten angeboten. Das ist bei uns ganz anders.
Den Franzosen gilt Deutschland wegen seiner extremen Preisfixierung auch als ideales Aufnahmeland für minderwertige Überproduktion. Was man selbst nicht auf dem Tisch haben möchte, tritt die Reise über den Rhein an. Ein zweifelhafter Ruf, der Bauern, die für den Markt produzieren müssen in große Bedrängnis bringt, was ihre Qualitätsstandards angeht.
Nachtisch
Nur noch von den Chinesen werden unsere französischen Freunde in ihrem dauernden Bemühen um gutes Essen übertroffen. Vielleicht auch nicht.
Der Präsident hat gerade die französische Küche als die beste der Welt gerühmt und was die Restaurantküche angeht, hat er er vermutlich auch recht. Nirgends können Köche auf ein ähnlich große gesellschaftliches Ansehen hoffen. Nirgends wird Kochen so als Bestandteil der kulturellen Identität verstanden und respektiert. Und nirgends wird so ein Theater um das Essen gemacht.
32 mal mussten die Kontestanten in zwei Tagen einen Nachtisch zubereiten. Das Siegerdessert? Eclosion annanas coriandre, émulsion pétiallante lime.
Der optische Eindruck war übrigens genauso wichtig wie der Geschmack.
Von wegen , es kommt im Magen ja doch alles zusammen. Mit dieser Pefferpotthast-Mentalität kann man hier nichts gewinnen.
Ostergrüße
Grüße aus Cleveland. Lisa studiert an Medizinischen Fakultät der Universität Witten Herdecke und befindet sich zur Zeit in einem klinischen Semester an der Universität Cleveland. Genauer gesagt arbeitet sie im größten Hospital des Ortes.
Ihr bisheriges Resümee nach vier Wochen: Das deutsche Gesundheitssystem ist viel besser als sein Ruf, jedenfalls wenn man es mit den USA vergleicht.
Die Leute kommen hier mit Krankheiten, die es bei uns schon lange nicht mehr gibt, weil sie keine Krankenversicherung haben und deshalb einfach viel zu spät kommen.
Die Ausbildung an ihrem Krankenhaus ist allerdings viel besser. Hier bin ich nicht fünftes RAd am Wagen. Man kümmert sich um uns uad nimmt sich Zeit, für die Ausbildung der jungen Ärzte. Das ist bei uns meistens ganz anders. Was zu vertiefen wäre.
Die Mutter Gottes im Brennesselgestrüpp
DIE MUTTERGOTTES IM BRENNNESSELGETRÜPP
Weihnachten 2002
Mein diesjähriger Weihnachtsbrief wird ein Liebesbrief werden, eine Liebeserklärung an ein Land. Frankreich-Fan, francophil werden jetzt manche einverständlich nicken, Nein. Dieses Riesenland mit seinen vielfältigen Landschaften und seinem kulturellen Reichtum ist mit einem einzigen Affekt nicht zum umfassen.
Also dann der MIDI, Frankreichs Süden, die PROVENCE. Auch hier muss ich passen. Nicht einmal mein Departement, die ALPES DE HAUTE PROVENCE habe ich bisher in der Länge und Breite durchmessen, ausgelotet Wie kann man lieben, was man nicht kennt.
Mein geliebtes Land ist der kleine Hügel, auf dem ich wohne, mit den Verdon-Schluchten im Süden dein im Sommer lavendelblauen Plateau von VALENSOLE im Norden und den ersten Ausläufern der Seealpen im Osten. Von einer Erkundung dorthin habe ich euch vor einem Jahr erzählt. Doch ich habe noch eine ‘heimliche’ Ge1iebte, voll der ich heute erzählen möchte: das über die Achse der DURANCE nach Westen gewendete Spiegelbild des Verdonlandes (PAYS DE VERDON) nämlich das PAYS , das Land von Forcalquier genauer noch: sein nordwestlicher Teil, (las PLATEAU D’ALBION.
Bevor ich weitererzähle muss ich den französischen Begriff PAYS (Land) erläutern. In der französischen Revolution wurde das Land unter Zerschlagung der feudalen und regionalen Strukturen schematisch (rationalistisch vernünftig!) in ca. 100 Departements aufgeteilt. Ein Gesichtspunkt der Aufteilung soll gewesen s e i n , dass ein Reiter an einem Tag von der Präfektur j e d e n Ort des Departements erreichen kann . Heute erweisen sich diese Departements einmal als zu k1ein, (um modernen Verwaltungsanforderungen zu entsprechen), andererseits als zu groß (weil in ihnen Gebiete mit ganz unterschiedlichen Interessen und Traditionen zusammengebunden sind). Dem abzuhelfen hat man einmal die REGIONEN geschaffen. Die hiesige Region PACA (PPOVENCEALPES-COTE D’AZUR) umfasst 5 Departements und reicht von den Alpen bis ans Mittelmeer, von der RHONE bis zur italienischen Grenze.
In der anderen Richtung bemüht man sich gerade mit den so genannten PAYS, die viel kleiner sind als ein deutscher Landkreis, überschaubare, nachbarschaftliche Einheiten zu schaffen. Wir würden von einer Gegend, einem ‘Ländchen sprechen. Aber nun zurück zu meiner heimlichen Liebe, dem PLATEAU D’ALBION im PAYS DE FORCALQUIER oder PAYS DE LURE oder PAYS DE JEAN GIONO oder PAYS DE HAUTE PROVENCE. Ihr seht , nicht einmal der Name dieses PAYS ist endgültig festgelegt. Sein Mittelpunkt, Herzstück ist die kleine ländliche Kirche und Einsiedelei NOTRE DAME DE LIORTI QUIERE, frei übersetzt: die Kirche unserer lieben Frau in den Brennnesseln, an der Straße von REVEST DE BION hinunter nach ST. CHRISTOL.
Wie erklärt sich dieser wunderliche Beiname? Ende des 14. Jahrhunderts hat der Räuberhauptmann RAYMOND DE TURENNE aus dem LANGUEDOC das Land ringsumher ausgeplündert und verwüstet. Auch die 1274 urkundlich erstmalig erwähnte ‘Kirche der Heiligen Maria im Wald von Albion’ war jahrhunderte lang nur noch ein Trümmerhaufen, aufgegeben und vergessen, ein Ort, wo nur noch Herden lagerten und weideten – und den Boden so gut düngten, dass ein dichtes Brennnesselgestrüpp entstand, in dem die Bewohner von REVEST, als sie sich 1665 daran machten, die Kirche wieder aufzubauen, eine leuchtende hölzerne Marienstatue fanden. Als Ort der Marienverehrung hat die Kirche für die Bewohner der umliegenden Gehörte, Weiler und Dörfer immer noch Bedeutung. An der modernen gipsernen Marienstatue gegenüber der Eingangstür stehen regelmäßig Blumen, wie man sie in den Bauerngärten findet, oder Feldblumen, wie sie ringsumher wachsen. Eine neuere EX VOTO-Tafel mit der Darstellung eines Campingmobils vor einem Abgrund zeugt von dem ungebrochenen Vertrauen in die Gottesmutter.
Ich kann den Mittelpunkt meines Lieblingslandes noch genauer bestimmen: Er befindet sich in einer flachen Mulde, wenige Schritte westlich der Kirche unter einer Linde hinter einem kniehohen Steinwall, loses Geröll, das die Bauern von der darunter gelegenen Wiese abgelesen und hier ‘antastet’ haben. In dieser Mulde habe ich ‘Erdhaftung’ . In den meisten Nächten, die ich hier oben verbracht habe, habe ich in ihr meinen Schlafsack ausgerollt. Man kann die Eremitage für wenig Geld reservieren, mieten. Den Schlüssel holt man sich bei der Zeitschriftenverkäuferin Corinne i n Revest. Aber wer hat schon Lust, in einem die Tageshitze nach innen abstrahlenden Gemäuer zu liegen, wenn draußen ein kühler Nachtwind vom VENTOUX herüberweht?! Überhaupt, im Freien er-’ lebt man die Nacht anders, bewusster als in geschlossenen Räumen. Man döst weniger. Die Nächte draußen sind voller Leben. Das vertraute unablässige Malmen des Esels, der sich Maul für Maul umherbewegt. Hier raschelt es im Gras , dort knackt es in der Hecke . Große Nachtvögel fliegen mit langsamen , schweren Flügelschlag vorbei. Selbst die zickzackenden Fledermäuse wirken einschläfernd, weil ihr Flug für uns absolut lautlos ist. Dabei sollen sie für unsere Ohren unhörbare Schreie ausstoßen und sich an dem zurückgeworfenen Echo orientieren. Blindflug in Schallgeschwindigkeit! Das Anwehen des Windes ist wie ein Gestreichelt werden, sanfter als die Berührung einer Feder. Flugzeuge krabbeln wie Glühwürmchen über den Himmel. Man sieht sie lautlos kommen, bis ihre Schallschleppe über einem wegrollt. Nach einer Weile kennt man ihre Luftkorridore, Straßen, und versucht zuzuordnen: Der könnte nach Genf fliegen, oder weiter westlich nach Paris. Ob diese Maschine wohl in Marignane landet oder nach Algier, Schwarzafrika weiterfliegt? Das wäre die Richtung Nizza, Rom, Naher, Mittlerer, Ferner Osten. Und dorthin ginge es wohl nach Barcelona, Madrid ….
Dann lächele ich in meiner Mulde und wundere mich über die Artgenossen da oben, die sich in dieser Nacht so eilig hin und her, her und hin transportieren lassen. Und ich frage mich, ob wohl einer dabei i s t , den ich kenne, und lächle noch mal. Immer, wenn ich nachts ‘mal aufwache, schaue ich, wieweit sich das Sternbild des GROSSEN BÄREN um den POLARSTERN gedreht hat, um einzuschätzen, wieweit die Nacht vorangekommen ist.
Da meine Brennesselkriche bereits auf einer Höhe von über 8oo Metern liegt, wirken die gegenüberliegenden Berge des VAUCLUSE hin zum CROIX DE LA LAVANDE mit lloo Metern oder das MONTAGNE D’ALBION hin nach FERRASSIERES eher niedrig, wie gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe Selbst der Gigant der PROVENCE, der MONT VENTOUX mit seinen fast 2ooo Metern, verliert, von der Rückseite betrachtet, viel von seiner Größe, Erhabenheit. Die HÖHENzüge am Horizont imponieren eher durch ihre Erstreckung. Man möchte sie lieber LÄNGSzüge nennen. Ohne Anfang und Ende streben sie rechts und links aus jedem Blickfeld heraus.
Es ist ein sonderbar offenes Land . Es zieht einen in seinen Gedanken, aber auch in den Wegen, die man nimmt, in alle Richtungen. Meist bin ich vom Südosten, dem Ruinendorf MONTSALIER hier hergekommen, nachdem ich mein Auto und den Eselsanhänger bei dem freundlichen Künstlerehepaar Marie, der Weberin, und Alain, dem Organisator surrealistischer Theaterinszenierungen, abgestellt hatte. Dann hinauf in den Bergsattel mit den drei Windmühlen, die ebenso zerfallen, wie das verlassene Dorf darüber. Vorbei an der GOUFFRE DU CALADAIRE, einer senkrechten Tropfsteinhöhle, die bislang bis zu einer Tiefe von 7oo Metern erforscht wurde, durch den von einem sintflutartigen Wolkenbruch in diesem Sommer bis auf den Felsgrund und die Baumwurzeln aus- und weggespülten Talweg zu dem Anwesen meiner Freunde Alberta und Alain Gruneisen mit ihren Bienen, wo man sich eines herzlichen Empfanges gewiss sein kann.
Oder ich bin hinunter nach ST. CHRISTOL mit seiner romanischen Kirche gewandert, deren reicher Skulpturenschmuck ein ganzes Bestiarium von Fabelwesen und Tieren aller Art enthält. Dann weiter nach Südwesten zu der in markanter Lage gelegenen Kirche NOTRE DAME DE LAMARON. Um es einzugestehen: Ich bin unfreiwillig hier hergekommen, nachdem ich mich vorher im Dickicht der ‘Wälder*, sagen wir besser Macchia, erst festge- und dann verlaufen hatte. Von dort ging es hinunter nach SIMIANE LA ROTONDE. La ROTONDE heißt der massive Bergfried, der das an einem steilen Hang gelegene malerische Örtchen einstmals zu Bergseite hin schützen sollte. Von außen wirkt der Turm fast wie ein Trümmerhaufen. Auch das Untergeschoss kaum mehr als ein nichts sagender Lagerraum. Hat man aber die Holztreppe erklommen, ist man überwältigt von dem Raum, einer runden Halle, die von einer riesigen, leicht verdrehten Kuppel überwölbt wird. Die Schlossherren, darunter ein renommierter Minnesänger, sollen hier einst ihre Vasallen versammelt haben. Jeden Sommer findet in diesem einzigartigen Raum ein Festival alter klassischer Musik statt, das Maria und ich in den letzten Jahren kaum einmal ausgelassen haben. Auf einem dem Dorf gegenüberliegenden Höhenrücken haben ’sonderbare Käuze’ , – sie mögen mir diese Benennung verzeihen, aber ich weiß keinen treffenderen Ausdruck! – die über einem keltischen Heiligtum errichtete Klosterkirche von VALSAINTES in beeindruckender Schönheit wieder hergerichtet, eine Sternwarte gebaut und in der unberührten Landschaft über einer tiefen Schlucht einen Rosengarten angelegt, wie ich keinen zweiten kenne.
Oder ich nehme – wie schon so oft – den Weg nach Westen, zu der ländlichen Herberge BAYLES mit seinen Leckerbissen vom eigenen Geflügelhof auf der Speisekarte, vorbei an dem romanischen Kirchlein von ST. TRINIT, das durch seine kubistische Strenge imponiert, hinunter nach SAULT, MONIEUX, in das abgrundtiefe Tal der NESQUE.
Will man in einem Land heimisch werden, ist die Begegnung und der Austausch mit den Menschen unerlässlich. In BANON hatte ich einmal in dem Laden mit den ‘Himmel’ an luftgetrockneten Würsten für mein Abendessen eingekauft und wollte einen Zeltplatz und eine Weide für die Nacht suchen, als der Wirt der benachbarten Kneipe kam und mir sagte, die DESCHAMPS hätten gerade angerufen. Sie würden mich in AUPILLIERES, einem Gehöft am Ende aller Welten, zum Abendessen erwarten. Ihr Sohn hatte mich in BANON gesehen und seine Eltern informiert. Eric, ein alter Seefahrer, der sein Schiff an einem Südsee-Atoll hat scheitern sehen und der wohl nicht zuletzt darum seinem Ältesten den Namen Robinson gegeben hat, ist ‘die Kreuz und die Quer’ im
ganzen Land (siehe oben! ) für seinen leckeren Punch aus weißem Rum bekannt. Seine große Scheune ist voll von Kuriositäten. Unter anderem finden sich darin zwei Kettenfahrzeuge, die in den zwanziger Jahren an einer von PEUGEOT gesponserten Tour BEIRUT – PEKING über die Seidenstraße und an einer Trans-Sahara-Durchquerung teilgenommen haben. Seine Frau, Dominique, ist d i e rührige Vorsitzende eines Vereins der sich mit der Erhaltung des kulturellen Erbes des alten MONTSALIERS beschäftigt. In ihm bin ich Mitglied geworden, weil man mir bei einem MECHOUI, einen Lamm Spießbratenessen das Wechselgeld nicht ‘rausgeben konnte und ich es darum für diesen ‘ guten Zweck’ spendete. In REVEST passierte es in diesem Sommer, dass eine Bauersfrau einen zusätzlichen Teller auf den Tisch s t e 11 t e . als sie meine Eselin schreien hörte. So war ich bereits ‘eingeplant’ , als ich an die Tür klopfte, um GUTEN TAG zu sagen. Die Schwiegertochter wird mir vorgestellt, die gerade von ihrer Ferme BABAOUF, hoch oben im LURE Gebirge herunterkommt, um ihren Sohnemann für den Nachmittag der Oma zu überlassen. Sie hat Besorgungen in APT zu machen. Die Oma ist mit Kinderstuhl, Laufstall, Spiel sachen bestens ausgerüstet . Wie sich doch familiäre Organisationsformen in aller Welt ähneln! Gilbert kommt vom Feld . Es ist LAVANDIN-Ernte, dieser Bastardform des Lavendels, die sich nur durch Stecklinge vermehrt. Später, sagt er, würde man dann den ‘echten’ Lavendelernten, der hier auf dieser Höhe gedeiht. Der ‘echte’ Lavendel bringt zwar weniger Ertrag, sei aber als Produkt umso begehrter. Der Bergbauer und Schäfer erzählt mir, wie die Preise für Lavendelöl und Schaffleisch seit seiner Jugend ständig gesunken seien, wie man zu ständigen Produktionssteigerungen förmlich verdammt sei . Er baut auch ein seltenes Getreide, LE PETIT EPEAUTRE, unserem Dinkel, der Hirse ähnlich, an, das schon die alten Gallier, und Römer kannten und schätzten. Mit Bitterkeit erzählt er von der Wildschweinplage. Kaum habe er gepflügt, gesät, hätten diese Halb-Wildschweine, die sich mit Hausschweinen gekreuzt haben und den Menschen nur noch bedingt fürchten, alles wieder umgewühlt. Obwohl Marie-Reine immer wieder betont, dass es nur ein ‘einfaches’ Essen sei, wird hier bei den Bauersleuten auch an einem Werktag ein Festessen daraus: Ein Aperitif, Oliven, harte Wurst, lecker angerichtete Tomaten vorweg. Dann das Hauptessen, ein frischer Salat dazu, Weißbrot, Wasser, ein Glas Wein. Den Käse zum Nachtisch findet die Bäuerin etwas zu trocken.
Sie kennt die Ziegenhirtin, wo sie ihn gekauft hat . Hier haben die Dinge noch Gesicht und Namen! Zum Schluss noch einen Café als Muntermacher. Dann muss Gilbert wieder aufs Feld. Und ich trabe mit Afrodite die Straße hinunter nach NOTRE DAME, wo wir heute nur eine kurze Siesta machen werden. Diese Nacht werden wir an der verlassenen Schäferei JAUMAREL vor SIMIANE Schlaf- und Weideplatz finden. Morgen früh will ich dort Konzertkarten kaufen. Als ich einmal in NOTRE DAME kampierte, kam eine junge Frau mit ihrem Mann von einem der benachbarten Gehöfte, um dort zu beten. Sie lud mich dazu ein. Sie hat ihre AVE MARIA und das VATERUNSER gebetet, ich habe einen Choral und einige Spirituals gesungen. Anschließend haben wir am Kamin in der Eremitage bei einer Flasche Wein beisammen gesessen und ich habe eine anrührende Lebensgesichte erfahren.
Wenn ich nachts in meiner Kuhle liege, fühle ich mich nie einsam und verlassen, ausgesetzt am Ende der Welt. Der dichte Kranz von schönen Dingen und freundlichen Menschen in der Runde lassen mich an Dietrich Bonhoeffers Worte denken: ‘Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag.
Mein Liebensbrief ist hier noch nicht zu Ende. Ich bin noch gar nicht auf den Punkt gekommen: In der Kirche befindet sich ein ‘Schatz’, den allerdings der flüchtige Besucher kaum sehen wird. Wie lässt der französische Flieger und Dichter St. Exupery den KLEINEN PRINZEN sagen?! ‘Man sieht nur mit dem Herzen gut. ‘ Man braucht, um dieses Schatzes ansichtig zu werden, die Augen eines Liebenden. Um diese Kirche zu betreten, muss man einige Stufen hinabsteigen. Mir gefällt, dass diese bäuerliche Kirche sich wie meine Schlafmulde etwas in den Erdboden senkt. Aus rohen Feldsteinen gebaut lässt sie an einen der alten lang gestreckten Schafställe denken, die man oben im LURE-Gebirge findet. Schafstall – kein schlechtes Bild für ein ländliches Kirchlein, will mir scheinen.
Die Schatzkammer in der ansonsten schmucklosen Kirche ist der kleine Altarraum mit seinem vierteiligen Kreuzrippengewölbe. Jede der vier Kreuzrippen wird von einem Doppelkapitel getragen. Oben ist jeweils ein massiver Atlantenschädel, zwei runde weibliche und zwei eckige männliche. Auch eine Art, die Geschlechter zu unterscheiden! Die klobigen Schädel sind kaum aus dem Stein herausgearbeitet, ein Hinweis, dass es sich um frühe romanische Kunstwerke handelt, urteilt ein Experte.
Dünne Ärmchen schmiegen sich an die Köpfe, um die Last des Gewölbes mit zu tragen. Ich denke an der Worte des Psalmisten: Wenn das Leben köstlich gewesen i s t , ist es Mühe und Arbeit gewesen.
Oder an die philosophische Einsicht , dass der Mensch sein Sein, sein Bewusstsein, in der Auseinandersetzung mit der Natur bildet und formt.
Unter jedem dieser vier archaischen Schädel ist noch ein zweites Kapitel mit fremdartigen, befremdlichen Darstellungen, die weit entfernt sind von allem, was wir aus der mediterranen Bilderwelt und der christlichen Ikonographie kennen. Vorn links ein Mann, den ein Hund, Wolf, Bär (?) in den Fuß beißt und der seinerseits einer Schlange seine Keule in den Rachen stößt. Auf dem vorderen rechten Kapitel wälzt sich eine feiste Schlange. Der Provencekenner und Kunstgeschichtler Marcel Phobé hat diese rätselhaften Darstellungen mithilfe der germanischen Mythologie zum Sprechen gebracht: Nach dem Mythos des RAGNARÖK hat WIDAR, der Sohn ODINS/WOTANS den FENRISWOLF, der ihn in den Fuß beißen wollte, mit einem Tritt getötet, und mit MIÖLNIR, dem Hammer des THOR, der MIDGARDSCHLANGE den Kopf zerschmettert, der Schlange, die auf dem rechten vorderen Kapitel die Welt umschlungen hält und zu erdrosseln droht. Noch phantastischer wird es bei den hinteren beiden Kapitelen: Links schauen zwei Augen, schmerzhaft entrückt aus einer Pflanze heraus. Wir befinden uns noch in der Frühzeit der Evolution. Das Leben ist noch gefangen in der pflanzlichen Welt.
Dagegen erhebt sich rechts hinten ein Mensch, betend, tanzend, aus der Pflanzenwelt. Es könnte sich um BALDUR handeln, meint Marcel Phobé, dem strahlendsten aller Götter, und die Weltesche YGGDRASIL, die nach germanischen Mythos Himmel, Erde und Unterwelt durchdringt. Hier wären also Schlüsselszenen germanischer Göttersagen dargestellt. Zugleich sind Anklänge an esoterisches Denken der frühen indischen (vedischen) Literatur von der Ur-Einheit allen Seins unverkennbar, ein kosmogonisches Wissen, das die indogermanischen Völker auf ihren Wanderungen durch die Steppen Zentralasiengund die Wälder des Nordens mitbrachten und das hier in der romanischen Kunst der HAUTE PROVENCE seinen bildhaften Niederschlag gefunden hat. Germanische Völkerschaften wie die GOTEN, VANDALEN, BURGUNDER, FRANKEN sind immer wieder in die PROVENCE eingefallen, haben sie erobert, besiedelt. Die PROVENCE gehörte im Mittelalter lange Zeit in den Bereich der HEILIGEN RÖMISCHEN REICHES DEUTSCHER NATION (SAINT EMPIRE GERMANIQUE) . Kaiser Friedrich I. Barbarossa hat sich 1178 in ST. TROPHIME in ARLES krönen lassen. Ein Erzbischof von AIX EN PROVENCE um das Jahr looo trug den gotischen Namen AMALRICH.
Nein, es kann nicht verwundern, in der PROVENCE Spuren germanischer Präsenz zu finden. Was mich an den Darstellungen
In den unteren Kapitelen vom NOTRE DAME DE L’ORTIQUIERE berührt, weshalb sie für ein ‘Schatz’ sind, ist weniger ihr Inhalt, – über den man gesondert nachsinnen müsste, – sondern die Tatsache, dass hier Fremdes, Gedanken und Konzepte von Zuwanderern, Eindringlingen aufgenommen und in die im Lande herrschenden Vorstellungen integriert wurden. Wenn man als Fremder in ein Land kommt, einem Platz beansprucht, ein nimmt , fragt man sich j a oft, mit welchem ‘ R e c h t ‘ bist du hier? Ablehnung, Abweisung, Ausweisung, Aus-/Abgrenzung von Fremden, vom Fremden, sind doch bis in unsere Tage eher die Regel.
‘Kampf der Zivilisationen’ will man uns heute wieder weiß machen. Die fremdartigen, befremdlichen Darstellungen in der Kirche NOTRE DAME DE L’ORTIGUTERE widersprechen Herrn Huntington und seinen nach dem stupiden Freund Feind-Schema agierenden Adepten. Das beflissene eifern um Reinrassigkeit ( man spricht von ‘durchrassten Gesellschaften’, man praktiziert ‘ethnische Säuberungen’) und der fanatische Kampf um Rechtgläubigkeit, – welcher Provenienz auch immer -, sind doch nur Zeichen der Unreife, der Unkultur , die Niedergangs und führten und führen in aller Zukunft zu nichts anderem als zur Barbarei. Positiv gewendet hat der schon zitierte Marcel Phobé diese Einsicht so formuliert:
‘Die Zivilisation entsteht, entwickelt sich und erreicht ihre Gipfel in Ländern der Begegnung, wo sich die verschiedenartigen Welten gegenseitig durchdringen.’ ‘La civilisation naît, se développe et atteint ses sommets dans les pays là où différents mondes s’interpréndent.’
So – nun wisst ihr um meine heimliche Liebe, warum ich auch im kommenden Jahr hin und wieder in mein geliebtes ‘PLATEAU D’ALBION werde fremdgehen müssen, um mich der Chance einer friedlichen Begegnung der Menschen, eines fruchtbaren Austausches der Kulturen zu vergewissern.
Esparron, im Advent 2oo2 Sigi Helmer
NOTA BENE: Ich bin derzeit sehr irritiert über die Aktualität der Weihnachtsgeschichte: Kindermord in Bethlehem! Wenn das nur alten Geschichten wären, hat Franz Josef Degenhardt früher ‘mal gesungen. ‘Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen,’ Rahel und viele palästinensische und isrealische Mütter weinen in diesen Tagen um ihre Kinder, ‘denn es war gar aus mit ihnen.’ Wir werden es in diesem Jahr noch schwerer als sonst haben, den Gesang der Engel über den Feldern von ‘Bethlehem’ zu hören (ein Wort , das zwischen HORCHEN und, GEHORCHEN angesiedelt ist). Zu laut ist das Säbelrasseln in unseren Tagen: ‘FRIEDE AUF ERDEN UND DEN MENSCHEN SEIN WOHLGEFALLEN!’
Regel No. Acht – Belehrung

Freunde des Golfsports fangen am besten in Pierrevert auf dem Golf du Luberon an, aber in der Provence gibt es viele reizvolle Plätze. Für alle anderen bleiben natürlich die Regeln. sie sind für alle wichtig.
Offengestanden weiß ich nicht so genau, wie es mit ihren Kenntnissen dieser Golf-Regeln bestellt ist. Persönlich bin ich der Ansicht, dass sich jedermann dieses düstere Kapitel in 34 Einheiten und zahllosen Unterparagraphen einmal im Leben vornehmen sollte, schon um ein einziges Mal zu sehen, was so eine Zivilisation – zumal noch eine schottische – anzurichten imstande ist, wenn sie ein doch relativ einfaches Spiel in die Mangel nimmt.
Was ich selbst auf dem Golfplatz so treibe kann man wohl mit Fug und Recht als Wildwest Golf bezeichnen. „Besser legen“ des Balles ist für mich nicht nur in erlaubten, sondern in jeder Lage angesagt, der Einsatz des Handwedges kein Tabu und auf den billard-ähnlichen Stoß mit dem Griff des Putters auf dem Grün verzichte ich nur deshalb, weil es die Blicke der Mitgolfer so ungemein auf sich zieht, wenn man auf dem Bauch vor der Fahne herumturnt.
Ich komme mit anderen Worten also ohne die Regeln aus. Bis auf die Regel Nummer acht: Belehrung. Belehrungen sind nämlich beim Golf verboten und werden bestraft. Wenn Sie also zu ihrem Mitspieler sagen, „Schlag ruhiger und halte den Kopf still“, so zieht das sofort einen Strafschlag nach sich. Wenn sie ihn fragen, welchen Schläger er denn gerade genommen habe – Strafschlag. (Obwohl sie zu seiner Golftasche gehen können und nachsehen, welcher Schläger fehlt – und das ohne Strafschlag).
Leider konnte ich das nicht richtig zu Ende recherchieren, aber ich habe den Verdacht, dass die Regel Nummer Acht erst dann dem Regelwerk des Golfclubs von St. Andrews zugefügt wurde, als auch Frauen das Golfspielen erlaubt wurde.
Nun ist Mme Marx Lehrerin aus Passion und schon aus dieser professionellen Ambition – aber, wie ich hinzufügen möchte, auch aus persönlicher Neigung – Belehrungen nicht abgeneigt. Da kommt mir die Regel No, Acht natürlich gerade recht: Belehrung? – Strafschlag! Strafschlag!
Es konnte nun nicht ausbleiben, dass auch meine Kinder von dieser Regel erfuhren und uns im Familienrat mit drei zu zwei überstimmten, als es darum ging, die Regel Nummer Acht nicht nur beim Golfen sondern generell im Leben der Familie einzuführen.
Wir leben jetzt also in einer relativ belehrungsfreien Zone und das bekommt uns ganz ausgezeichnet. Und ja, ich kenne eine ganze Menge Leute, denen ein genaues Studium der Regel Nummer Acht gut tun würde.
Olivenbäume und Strausse

Ja, da kommst du doch einfach mal vorbei. Wir haben ein schönes Schloss mit einem tollen Treppenhaus und die Verkaufsstelle für die örtlichen Künstler und Handwerker ist auch meine Idee, sagte der Bürgermeister von Allemagne–en-Provence – mit Deutschland weder verwand noch verschwägert – als wir uns anlässlich eines Treffens in unserem Serviceclub in Manosque trafen.
Und so stand ich einige Tage später auf dem Parkplatz des Örtchens, es war Ende November und kalt , saukalt. Ich wollte gerade aussteigen, als ein Lastwagen mit etwa 20 Olivenbäumen auf den Platz einbiegt. Olivenbäume hatten Ulla und ich schon lange im Visier, doch die hohen Preise haben uns immer abgeschreckt. 3000-5000 Mark für so einen Baum ist wirklich eine Menge Holz, Oliven hin und her.
Ein etwa dreissig Jahre junger Mann springt vom Lastwagen und geht auf seinen auf dem Parkplatz abgestellten mausgrauen Mercedes zu. Ich kurbel die Scheibe runter: Bonjour, Monsieur. Vous avez des oliviers a vendre? Hatte er. Ich solle nur morgen früh vorbeikommen, so gegen 7:30 Uhr und dann werde er mich zu dem Olivenhain bringen. Ich könne mir die Bäume selbst aussuchen. Der Preis, den er nannte, schien mir OK, jedenfalls weit entfernt von dem, was man sonst so hörte.
7:30 Uhr. Es ist noch dunkel, genauer gesagt ist es noch nicht hell, irgendwie so dazwischen. Auf dem Platz sind etwa fünf Leute versammelt, die offensichtlich darauf warten, zu einer Arbeitsstelle abgeholt zu werden. Weit und breit kein LKW mit Olivenbäumen. Es wird acht. Da naht mein Geschäftspartner.
Er steigt zu mir in den Geländewagen: Endlich ein Auto, wie man es in Provence braucht. Alles andere ist Schrott. Wir fahren zu dem Olivenhain, der zwischen Esparron und Allemagne auf der Hochebene liegt. Der Weg ist abenteuerlich und ich bin wirklich froh, in diesem Auto unterwegs zu sein.
Die Bäume müssen übrigens bis übermorgen abgeholt sein. – Bis übermorgen, das ist ein wenig schnell, c’est un peu vite, non ? – Ja, aber nur so werde es gehen. Das Feld sei verkauft und der Besitzer wolle etwas anderes damit machen. Une ferme d’autruches. Eine was? Une ferme d’autruches – eine Straussenfarm. Straussen???? Kann man deren Fleisch überhaupt essen? Ja doch. Es sei sogar eine Delikatesse und werde den europäischen Markt im Sturm erobern. Strauße.
Wir stelzen durch das bereits gerupfte Olivenfeld und suchen die Bäume aus. Schöne Olivenbäume kommen am nächsten Morgen in Esparron an und wir haben alle Hände voll zu tun, sie rechtzeitig in die Erde zu bringen, damit sie vor dem Frost geschützt sind. Es ist November, also kalt, sehr kalt. Die Provence ist eine Region der klimatischen Extreme. In Deutschland ist diese erkenntnis wenig weit verbreitet.
Blöderweise haben die Arbeiter, die mit dem Ernten der olivenbäume beschäftigt waren, am nächsten Morgen eine Hochspannungsleitung gestreift. Es ist nichts passiert, bis auf dass der LKW atomisiert wurde, die Reifen flogen 50m weit, aber den Menschen passierte nichts. Das Prinzip des faradayschen Käfigs funktioniert eben auch in der Provence.















